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Die Abschiebung von Roma in den Kosovo stoppen !

Die jahrhundertelange Verfolgung und Diskriminierung der Sinti und Roma

Vor etwa 600 Jahren ließen sich die ersten Sinti im deutschsprachigen Gebiet nieder. Wenige Jahrzehnte später beginnt Ende des 15. Jahrhunderts die Verfolgungsgeschichte der Sinti und Roma und zwar maßgeblich unter Mitwirkung unserer Stadt: 1498 erklärt der damalige Freiburger Reichstag die Sinti-Minderheit für vogelfrei.

Bis heute dauert die Verfolgung und Diskriminierung der Sinti und Roma in ganz Europa an.

In Italien kam es im Mai 2008 in Neapel zu Pogromen gegen Roma, die durch propagandistische Hetze seitens der Berlusconi-Regierung provoziert wurden.

In Ungarn haben bei der Wahl im April 2010 rund 2/3 der Wähler für Parteien gestimmt, die zuvor offen gegen Roma hetzten und teilweise sogar direkt für Mordanschläge auf Roma-Familien mitverantwortlich waren.

Und auch Frankreich rückte mit den rechtswidrigen Abschiebungen von Roma in andere EU-Länder im September 2010 in ein rassistisches Licht.

Deutschland spielt in der Verfolgung der Sinti und Roma eine besondere Rolle.

Während des deutschen Faschismus wurden viele Sinti und Roma zwangssterilisiert oder deportiert. Schätzungsweise 500.000 Sinti und Roma wurden damals ermordet. Diesen Völkermord hat die deutsche Bundesregierung in der Nachkriegszeit jahrzehntelang geleugnet.

Heute verfügen zwar viele der Sinti und auch einige der Roma durch die deutsche Staatsbürgerschaft über entsprechende Rechte, jedoch sind sie nach wie vor von Diskriminierung betroffen. Viele der Roma, die heute nur mit einem befristeten Aufenthaltsstatus oder lediglich einer Duldung in Deutschland leben, sind 1999 infolge des Kosovokrieges geflüchtet.

Unter den Augen der NATO-Truppen zerstörten albanische Nationalisten Siedlungen der Roma-Minderheit. Etwa 80 Prozent der Roma flohen aus dem Kosovo, um Misshandlungen, Folterungen, Vergewaltigungen und Morden zu entkommen. Im März 2004 kam es zu erneuten Gewaltausbrüchen im Kosovo. Doch Deutschland verdrängt hingegen die jahrhundertelange Verfolgung der Sinti und Roma und seine eigenen Verbrechen während des Faschismus ebenso wie die als Nato-Partner im Kosovokonflikt gewonnene Kenntnis über die dortige Lage der Roma.

Im April 2010 unterzeichneten der damalige Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) und seinen kosovarischer Kollege Bajram Rexhepi ein sogenanntes „Rücknahmeabkommen“, durch welches unter anderem 10.000 Roma aus Deutschland abgeschoben werden sollen.

Nach Angaben des Bundesinnenministeriums sollen pro Jahr bis zu 2 500 Anträge zur Rückführung gestellt werden.Was die Bundesregierung und ihre Deportationsgehilfen jedoch wissen, aber nicht sagen oder sogar leugnen, ist, dass die Situation im Kosovo für die Roma verheerend ist. Die kosovarische Regierung behauptet zwar im Rahmen des „Rücknahmeabkommens“, für die Minderheitenrechte und die Sicherheit der Abgeschobenen garantieren zu können, jedoch landen viele der abgeschobenen Roma in Lagern oder Siedlungen, die zum Teil auf bleiverseuchtem Boden errichtet wurden, was zu Erkrankung vieler Kinder führt. Zudem haben viele keinen Zugang zum Gesundheits- und Bildungssystem. Außerdem ist die Arbeitslosigkeit unter den Roma im Kosovo sehr hoch.

Grund dafür ist aber nicht, wie die sich rassistischen Stereotypen bedienende Bundesregierung behauptet, die fehlende Leistungsbereitschaft der Roma, sondern die rassistische Diskriminierung der Roma im Kosovo.

Auch rassistischen Übergriffen sind die Roma dort ausgesetzt. Dies hindert die meisten Bundesländer allerdings nicht daran, die Abschiebungen umzusetzen.

Kommen wir zurück zu Freiburg, wo die deutsche Verfolgungs- geschichte der Sinti und Roma begann.

Infolge des Kosovokrieges leben knapp 700 Roma aus dem Kosovo seit vielen Jahrenin Freiburg, etwa 450 von ihnen sind jedoch von Abschiebung bedroht bzw. es wurden bereits Roma aus Freiburg abgeschoben. Viele der Kinder sind in Deutschland geboren, kennen den Kosovo nicht und sprechen auch nicht die dortigen Sprachen. Über 400 der Flüchtlings-Roma wohnen meist schon Jahre in Flüchtlingswohnheimen wie in der Hammer- schmiedstrasse oder der Bissierstrasse meist unter sehr beengten Wohnverhältnissen.

Wer nur über eine Duldung verfügt, hat aufgrund der Regelungen des sogenannten Asylbewerbergesetzes kaum eine Chance auf einen Arbeitsplatz oder eine Ausbildungsstelle.

Freiburg gilt heute jedoch aufgrund einer Resolution des Gemeinderats im Jahr 2006, sich für ein Bleiberecht für die langjährig in Freiburg lebenden Roma einzusetzen, als flüchtlings-freundlich. Damit wird auch begründet, dass trotz drohender Abschiebungen im Jahr 2010 der Zustrom von Roma-Flüchtlingen in Freiburg stark angestiegen ist.

Die darauf folgenden Klagen des grünen Freiburger Oberbürgermeisters Salomon in regionalen Tageszeitungen in Baden-Württemberg (z.B. Stuttgarter Nachrichten 18.04.2010), dass die vielen Roma für Freiburg eine enorme finanzielle Belastung seien, reihen sich ein in die Stimmungsmache gegen schwache Gruppierungen in Zeiten von Finanz- und Wirtschaftskrise und angeblich leeren Haushaltskassen, während gleichzeitig die Banken mit Milliarden unterstützt werden.

Während des deutschen Faschismus wurden die Sinti und Roma als Spione einer angeblichen jüdischen Weltverschwörung verfolgt und auch heute müssen sie in Großteilen Europas als Sündenböcke herhalten.

In diesem Zusammenhang nehmen auch die Bundesregierung und die Abschiebungsbefürworter mit ihrer menschenverachtenden Flüchtlingspolitik in Kauf, dass Menschen in ein nicht-menschenwürdiges Leben abgeschoben werden, ob nun in Deutschland in Duldungssituationen unter ständiger Angst vor Abschiebung, unter beengten Wohnverhältnissen und ohne die Chance auf Integration, oder im Kosovo unter gesundheitsgefährdenden und lebensbedrohlichen Bedingungen ohne große Chancen auf Arbeit, Bildung und angemessenes Wohnen.

Kein Mensch ist illegal!

Antifaschistische Linke Freiburg

Unsere Stadt, Kommunistische Zeitung für Freiburg, nr 5, Mai 2011

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Berichte, Interviews, Pressespiegel 

Flughafenaktion am Di 12. 4.2011

 
Aktionsbericht auf Indymedia:  http://de.indymedia.org/2011/04/304699.shtml

Bericht von Ankunft aus Pristina von alle bleiben:
http://www.alle-bleiben.info/news/info-news50.htm

Domradio Köln - http://www.domradio.de/aktuell/72783/schonfrist-vorbei.html

WDR
- http://www01.wdr.de/tv/wdraktuell/sendungsbeitraege/2011/kw15/0412/_roma_abschiebung_02.jsp (hat jemand dazu das Video?)

RP-Online
  http://www.rp-online.de/panorama/deutschland/Proteste-gegen-erneute-Roma-Abschiebung_aid_986714.html

Antenne Düsseldorf
- http://www.antenne-duesseldorf.de/web/nachrichten/lokalnachrichten/index.php?nachricht=31232&tag=&monat=&jahr=

t-online news
- http://nachrichten.t-online.de/proteste-gegen-erneute-roma-abschiebung/id_45692866/index

Monika Düker, Grünen - http://monika-dueker.de/2011/04/proteste-gegen-die-abschiebung-von-minderheitenangehoerigen-in-das-kosovo/

Die Linke -
http://www.linksfraktion-nrw.de/
http://www.linksfraktion-nrw.de/nc/presse/aktuell/detail/artikel/erneute-sammelabschiebung-von-sinti-und-roma-vom-duesseldorfer-flughafen/


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Migration Beilage der Tageszeitung junge Welt vom 21.11.2007
  • S.O.S. vor Europas Küsten
    Auf der Flucht vor Elend und Krieg versuchen immer mehr Menschen, mit seeuntüchtigen Booten nach Spanien, Italien oder Griechenland zu gelangen
    Jörn Boewe
  • Unerklärter Krieg im Mittelmeer
    Mit Sondereinheiten und schnellen Eingreiftruppen will die Europäische Union ihre südliche Seegrenze gegen Flüchtlinge abschotten
    Ulla Jelpke
  • Herat, Leningrad, München
    Afghanische Frauen im Exil: Alltag in Deutschland und Erinnerung an ein Leben vor den Taliban
    Claudia Wangerin
  • In der Warteschleife
    Ein Jahr Bleiberechtsregelung – eine ernüchternde Bilanz
    Dirk Burczyk
  • »Migranten als natürliche Bündnispartner«
    Integrationspolitik der Bundesregierung hat symbolische Bedeutung, aber keinen Gebrauchswert. Ein Gespräch mit Sevim Dagdelen
    Interview: Jörn Boewe
  • Wölfe ohne Schafspelz
    Türkische Rechtsradikale werden seit langem von Unionspolitikern protegiert
    Nick Brauns
  • »Reform des Islam auf die Sprünge helfen«
    Über die seltsame Allianz von türkische Konservativen und deutschen Multikulti-Freunden. Ein Gespräch mit Seyran Ates
    Interview: Anja Hotopp
  • Von der Wolga an die Spree
    Tataren in Deutschland. Kulturelle Selbstbehauptung zwischen russischen und türkischen Migrantenverbänden
    Anja Hotopp
  • »Abschottungsstrategien werden penibel verfeinert«
    Antirassistische Gruppen und Flüchtlingsinitiativen wollen mit einer neuen Kampagne an die Abschaffung des Grundrechts auf Asyl vor rund 15 Jahren erinnern. Ein Gespräch mit Natascha Funke
    Interview: Andreas Siegmund-Schultze

Übersicht aller Beilagen




migration

Beilage der Tageszeitung junge Welt vom 08.11.2006
  • Zutiefst inegalitäre Gesellschaft
    Die Verweigerung elementarer Rechte für Arbeitsimmigranten sichert Extraprofite für die kapitalistischen Ökonomien der Industriestaaten. Herausforderung für Gewerkschaften und Linke
    Jörn Boewe
  • Griff in die Mottenkiste
    Rückfall in die 50er Jahre: »Gastarbeitermodell« soll wieder aufleben. Gleichzeitig macht die EU die Grenzen noch dichter
    Ulla Jelpke
  • »Ihr kennt uns nicht«
    In den Flüchtlingslagern regt sich Widerstand. Doch wenn sich Asylbewerber selbst organisieren, reagieren Deutsche oft verschnupft – auch die Linken
    Kathrin Hedtke
  • »Die Isolation durchbrochen«
    Streik im Flüchtlingslager Blankenburg ist beendet. Doch der Protest für bessere Lebensbedingungen geht weiter. Ein Gespräch mit Joel Bimba
  • Fremdarbeiter oder Genosse?
    Die Haltung zur Arbeitsmigration spaltet Linke und Arbeiterbewegung bis heute
    Nick Brauns
  • »Wir müssen weg von nationalen Strukturen«
    Der Europäische Verband der Wanderarbeiter kämpft für die Rechte von Arbeitsmigranten. Ein Gespräch mit Matthias Kirchner
  • Der Kampf ums Bleiberecht
    Vor der Innenministerkonferenz Mitte November zeichnet sich nur eine Minilösung ab
    Ulla Jelpke
  • »Migrant zu sein ist eine Lebensweise der Zukunft«
    Bundesinnenminister Schäuble privilegiert islamische gegenüber weltlichen Migrantenvereinen, um »Fremdheit und Andersartigkeit der Ausländer« zu betonen. Ein Gespräch mit Arzu Toker
  • »Es fehlt nur die Initialzündung«
    In Frankreich und Belgien organisieren sich seit Jahren die »Sans Papiers«, Immigranten ohne Papiere. In Deutschland herrscht Ruhe – noch. Ein Gespräch mit Jan Henkel
  • Tschetschenien – war da was?
    Der Konflikt in der Kaukasusrepublik schafft es nicht mehr in die deutschen Medien. Schlechte Zeiten für Kriegsflüchtlinge
    Sebastian Ludwig

Keine Papiere - keine Rechte PAPIERLOSE

Eine Studie über Menschen ohne Aufenthaltsstatus in Hamburg fällt ein vernichtendes Urteil: Obwohl sie nahezu überall arbeiten, führen sie ein Schattendasein

AUS HAMBURG KAI VON APPEN

"Wenn ich mich nicht auf dem Schulweg alle zehn Minuten melde, ruft meine Mutter in Panik an", sagt Lena Kowka*. Die 13-Jährige geht seit sechs Wochen in Hamburg auf ein Gymnasium. "Ich habe Angst, dass irgendwann doch die Polizei da ist", sagt Mutter Elena. Die 41-Jährige ist im Sommer mit Lena und ihrem 16-jährigen Sohn aus einem westeuropäischen Nachbarland in die Elbmetropole gekommen, um den Kindern eine gute Schulbildung zu garantieren. Obwohl Elena mit einem Deutschen verheiratet ist, gilt sie als Papierlose ohne geregelten Aufenthaltsstatuts. Ihre Ehe wurde als "Scheinehe" deklassifiziert.

Elena Kowka ist eine von schätzungsweise 22.000 Menschen ohne Papiere in Hamburg. Die Mehrheit ist im erwerbsfähigen Alter, 30 Prozent sind Jugendliche und 8 Prozent im schulpflichtigen Alter. Diese Zahlen nennt die Studie "Lebenssituation von Menschen ohne gültigen Aufenthaltspapiere in Hamburg" des Diakonischen Werks, die in Kooperation mit der Nordelbischen Kirche und der Gewerkschaft Ver.di erstellt worden ist und am Montag der Öffentlichkeit vorgestellt wird. Obwohl Menschen ohne Aufenthaltsstatus in nahezu allen Wirtschaftsbranchen arbeiten, führten sie ein Schattendasein, heißt es darin. Ihnen würden viele Grundrechte und Mindestnormen bei Gesundheitsversorgung oder im Bildungswesen vorenthalten. Zudem seien sie oft Opfer von Mietwucher oder ausbeuterischen Arbeitsverhältnissen, beklagt Landespastorin Annegrethe Stoltenberg.

Auch Elena Kowka, die in einer völlig überteuerten Wohnung leben muss, ist es nur mithilfe einer Beratungsstelle, Ver.di und einem Anwalt gelungen, adäquate Schulplätze für ihre Kinder zu finden. "Es ist uns geholfen worden, dass ich nicht auf eine schlechte Schule muss", berichtet Lena Kowka. Ihrem Bruder hingegen wurde am zweiten Schultag auf dem Nachhauseweg von Jugendlichen drei Zähne ausgeschlagen. "Der Junge wehrte sich nicht, hatte Angst vor der Polizei und dass seine Statuslosigkeit bekannt wird", erzählt Elena Kowka. "Wir haben überall Angst vor Kontrollen." Das Leben sei "fürchterlich stressig". Immerhin hätten sich Lena und ihr Bruder in der Schule eingelebt, würden gute Noten schreiben und hätten soziale Kontakte aufgebaut.

Laut der Studie stammen die meisten Papierlosen in Hamburg aus Lateinamerika, Westafrika und dem osteuropäischen Raum. Unerwartet hoch ist auch die Anzahl aus dem asiatischen Raum - darunter Indien. Die Studie moniert, dass das Zentrale Schülerregister, durch das in Hamburg verwahrloste Kinder aufgespürt werden sollen, noch immer Eltern ohne Papiere davor abschreckt, ihre Kinder in die Schule zu schicken. Dabei hatte Bildungssenatorin Christa Goetsch (Grüne) in einem Brief an die Schulleitungen im Juni 2009 klargestellt, dass das Hamburger Schulgesetz Schulpflicht, Schulrecht und Einschulung an den Wohnort knüpfe und nicht an den Aufenthaltsstatuts. "Es wäre fatal, wenn wir diese Kinder zurückweisen, nur weil eine amtliche Bestätigung über den Wohnsitz fehlt", schrieb die Grünen-Senatorin.

Ein vernichtendes Urteil fällt die Studie über die frühkindliche Erziehung. Obwohl Sozial- und Gesundheitssenator Dietrich Wersich (CDU) in Broschüren die Kinderbetreuung in den ersten Lebensjahren als Grundlage für "gute Bildung und starke Charaktere" als eine "Herzensangelegenheit" preist, sei im Gegensatz zum Schulbesuch die Unterbringung in einer Kita unmöglich. Denn Eltern ohne Papiere erhalten keine Kita-Gutscheine. Damit würde den Sprösslingen die Möglichkeit genommen, frühzeitig Deutsch zu lernen, kritisiert die Sozialwissenschaftlerin Emilija Mitrovic, die an der Studie beteiligt war. Wenn die Kinder nicht vorher schon den Bildungszugang haben, nütze die Schulpflicht nur wenig, so die Sozialwissenschaftlerin.

* Namen geändert

TAZ.DE 26.10.2009

http://www.taz.de/1/archiv/print-archiv/



 

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