Abschiebepraxis
"Endgültiges Bleiberecht verdient"
Zum Artikel "Abschiebung nach 17 Jahren"
(RHEINPFALZ vom 5. November).*
Mit Empörung haben wir von der unvermuteten Abschiebung der Familie Berisha in den Kosovo gelesen. Dulsa Berisha lebte seit 17 Jahren in Ludwigshafen. Als sie ankam, hatte sie zwei kleine Kinder, drei weitere wurden hier geboren. Über die Gründe der Abschiebung wird spekuliert:
Die Söhne seien nicht zur Schule gegangen beziehungsweise straffällig geworden. Von Frau Berisha heißt es, sie sei schwer herzkrank. Die medizinische Versorgung im Kosovo sei eine Katastrophe, ein Risiko für ihre Gesundheit.
Mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln werden wir uns dafür
einsetzen, dass Frau Berisha und ihre Kinder unverzüglich nach
Ludwigshafen zurückkehren können und ein uneingeschränktes Bleiberecht erhalten. Außerdem erwarten wir, dass die Öffentlichkeit über den Umgang des Ausländeramtes mit Menschen ohne deutschen Pass, die seit vielen Jahren in Ludwigshafen leben, umfassend informiert wird. (...)
Jugendliche und junge Erwachsene, die hier geboren und aufgewachsen sind, dürfen nicht einfach abgeschoben werden, wenn sie straffällig oder sonst wie auffällig werden. Sie unterstehen wie deutsche Jugendliche und junge Erwachsene dem Gesetz. Bestrafung durch Abschiebung ist in unseren Augen ein menschenfeindlicher Akt. Die gleichzeitige Abschiebung der
herzkranken Mutter ist noch weniger nachvollziehbar. Nach 17 Jahren hat sie mit ihrer Familie einen Anspruch auf ein endgültiges Bleiberecht!
Aus dem Schlaf gerissen und an der Grenze ausgesetzt" überschrieb die RHEINPFALZ ihren Bericht vom 28. Oktober über die Gedenkstunde zur Polen-Aktion". Im Oktober 1938 waren 166 jüdische Ludwigshafener mit polnischem Pass, darunter kleine Kinder, die hier geboren waren, von der Polizei in Eisenbahnwaggons verfrachtet und an der Grenze zu Polen ausgesetzt worden. Zur Verlesung der Namen, zur Erinnerung und als
Mahnung, waren die Oberbürgermeisterin, die Kulturdezernentin, der
Sozialdezernent sowie Stadträte erschienen, hatten sich zum Teil an der Verlesung der Namen beteiligt.
Abgeschobene Familie obdachlos im Kosovo" lautete die Überschrift der RHEINPFALZ am 8. November zum Schicksal der Familie Berisha (...) .
Sollte die Mahnung aus der Vergangenheit nicht auch für die Gegenwart gelten?
Karin Lambrecht, Gisela Medzeg, Lu
Aktionstag gegen Abschiebungen
Etwa 400 Menschen folgten am 30.08.
dem Aufruf zu einer Demonstration des
Bündnisses „Abschiebefrei Mannheim“,
die unter dem Motto „Das Migrationsregime
angreifen; Abschiebungen stoppen!“
stand. Die Demonstration fand im Rahmen
eines österreich- und deutschlandweiten
Aktionstags gegen Abschiebungen
statt, mit dem die rassistische Abschiebepolitik
der Europäischen Union und ihrer
Einzelstaaten thematisiert wurde.
Der Ak Antifa berichtet: „Bei der Auftaktkundgebung
am Alten Meßplatz
wurden Redebeiträge zur Erklärung des
Aktionstages gegen Abschiebungen, der
repressiven deutschen Asylpolitik von
1980 bis heute und der Einbindung des
Abschiebesystems in die kapitalistische
Verwertungslogik gehalten.
Auf dem Weg durch die Mannheimer
Neckarstadt informierten wir AnwohnerInnen
und PassantInnen in verschiedenen
Sprachen über das Anliegen der
Demonstration.
Die erste Zwischenkundgebung fand
vor dem von der Diakonie betriebenen
„Point-Store“ statt – dem Laden, in dem
die Flüchtlinge gezwungen sind, nach
einem Punktesystem einzukaufen. (Außer
Taschengeld erhalten die Flüchtlinge
kein Bargeld.)
Vor dem Flüchtlingslager in der Industriestraße,
in dem etwa 350 Menschen untergebracht
sind, folgte ein Redebeitrag
zum Lagersystem. Einige BewohnerInnen
schlossen sich der Demonstration zum Abschiebeknast
an.
Dort richteten wir Grußworte in fünf
Sprachen an die Gefangenen. Zum Abschluss
berichtete ein Redner über die
massenhaften Widerrufsverfahren, durch
die 10.000en Flüchtlingen, vor allem aus
dem Irak und Afghanistan, ihr Bleiberecht
wieder aberkannt wird. Ihnen droht jetzt
die Abschiebung.
Eine Sprecherin des Bündnisses: ‚Unser
Anliegen wurde von den Anwohnerinnen
und Anwohnern positiv aufgenommen
und erfuhr spontane Solidarität.’
Insgesamt verlief die Demonstration
friedlich, obwohl die Polizei durch den
Einsatz berittener BeamtInnen provozierte.
Diese bedrängten mit den Pferden
mehrfach DemonstrantInnen. Nach der
Abschlusskundgebung entschloss sich
noch ein Großteil der Anwesenden zu
einer Spontandemonstration durch die
Neckarstadt.
Die Demonstration wurde unterstützt
von: AK Antifa Mannheim, Anarchistische
Gruppe Mannheim, Antifaschistische
Initiative Heidelberg, Bündnis gegen
Abschiebungen (BgA) Mannheim, Die
AktionsGruppe, DIE LINKE, JUZ in
Selbstverwaltung „Friedrich Dürr“, Linke
Liste Mannheim, Stadträtin Gudrun
Kuch.“
„Im Vorfeld der Demonstration hatten
das Ordnungsamt und die Polizei
mit schikanösen Auflagen provoziert. So
waren Fahnenstangen und Transparente,
die breiter als 1,5 Meter sind verboten,
eine unverhältnimäßig große Anzahl an
OrderInnen gefordert (diese sollten mit
Warnwesten gekennzeichnet sein). Der
AK Antifa Mannheim reagierte als mitveranstaltende
Gruppe mit einer Pressemitteilung
darauf. Diese wurde von der
„Rheinpfalz“ aufgegriffen, woraufhin sich
das Ordnungsamt rechtfertigen musste.“
http://85.183.64.11/archiv/Lokal/BaWue/KIM/2008/kim18.pdf
Presseinformation des AK Antifa Mannheim
400 auf Demo gegen den Mannheimer Abschiebeknast
Erfolgreicher Start der Kampagne "Change the climate!"
Am Samstag, den 15.09.2007 demonstrierten etwa 400 AntirasisstInnen unter dem Motto
"Abschiebungen verhindern! Abschiebeknäste abschaffen!"
durch Mannheim. Mit Transparenten, Redebeiträgen, Sprechchören und Böllern wurde gegen die unmenschlichen Haftbedingungen protestiert und ein Ende von Rassismus und Kapitalismus gefordert. Die Polizei war mit Pferdestaffel und Sondereinheiten vertreten, ein besonnenes und entschlossenes Auftreten der DemonstrationsteilnehmerInnen verhinderte eine Eskalation.
Die Demonstration begann um 15 Uhr mit einer Auftaktkundgebung am Paradeplatz in der Innenstadt. Gegen 16 Uhr setzte sich der Zug in Bewegung und lief durch die Quadrate zur Ausländerbehörde, weiter über den Ring und die Kurpfalzbrücke in die Neckarstadt. Vor der Justizvollzugsanstalt (JVA) im Herzogenried, in der sich der Abschiebeknast befindet, endete die Demo mit einer Abschlusskundgebung.
Organisatorin war ein Bündnis aus linken und linksradikalen Mannheimer und Heidelberger Gruppen.
Es gab Redebeiträge vom Bündnis gegen Abschiebungen Mannheim, von der Anarchistischen Gruppe Mannheim, von der Antinationalen Offensive Saarbrücken und vom AK Antifa Mannheim. Darin wurden die restriktive deutsche und europäische Migrationspolitik mit all ihren brutalen Auswirkungen für die Betroffenen kritisiert.
Der Demonstration schlossen sich auch MigrantInnen und Flüchtlinge an, eine Sambagruppe und Clowns sorgten für gute Stimmung. Als die Demo den Abschiebeknast erreichte, wurde er symbolisch mit Böllern beworfen. Vor dem Haupttor äußerten die
DemonstrantInnen noch einmal ihren Unmut über den Knast und beendeten die Versammlung gegen 18:30 Uhr.
Eine Sprecherin des AK Antifa Mannheim kommentierte: "Die Demo heute war ein voller Erfolg. Wir haben nicht nur Abschiebungen und den Abschiebeknast kritisiert, sondern auch das gesellschaftlichen Klima in dem solche Zustände überhaupt erst möglich sind.
Ein gelungener Auftakt für unsere Kampagne "Change the climate!", die in den nächsten Wochen mit Vorträgen, Diskussionsveranstaltungen und einer Demonstration "Kein
Frieden mit Deutschland!" am 3. Oktober grundsätzliche Kritik äußern will.
Bereits heute Morgen fand eine weitere Veranstaltung statt, bei der wir der Widerstandsgruppe um Georg Lechleiter gedachten.
Für uns gehören Antifaschismus, Antirassismus und eine grundsätzliche Kritik an den gesellschaftlichen Verhältnissen untrennbar zusammen."
Für Rückfragen per Email stehen wir gerne zur Verfügung.
Bilder vom Tag finden sich auf unserer Internetseite
http://www.akantifa-mannheim.demit freundlichen Grüßen,
für das Bündnis gegen Abschiebungen Mannheim und den AK Antifa Mannheim
Sören Schmidt
Ein Erfolg für die Menschlichkeit
Bleiberecht auch für den Sohn der Familie Yildiz!
Der Kampf für ein Bleiberecht der vierköpfigen
kurdischen Flüchtlingsfamilie Yildiz
(Ludwighafen) ist nach vier Jahren zäher
Auseinandersetzung allem Anschein nach
endlich erfolgreich verlaufen. Vater und
Tochter erhielten im vergangenen Jahr ein
humanitäres Bleiberecht aufgrund ihrer
schweren Traumatisierung. Auch die Mutter
der Familie konnte danach bleiben.
Monatelang hingegen drohte dem Sohn
der Familie die Abschiebung. Nachdem
selbst ein Härtefallantrag und ein erneuter
Folgeantrag gescheitert waren, wurde vor
einiger Zeit von der Uniklinik in Heidelberg
zweifelsfrei festgestellt, dass der Sohn
ebenfalls an einer durch die Verfolgung
bedingten schweren Traumatisierung (das
ist eine schwere seelische Verletzung mit
lebenslangen Folgen) leidet. Dies hat jetzt
auch bei ihm dazu geführt, dass er vor
wenigen Tagen endlich ein Bleiberecht aus
humanitären Gründen erhalten hat.
Ganz sicher spielte auch die solidarische
Unterstützung von mehreren hundert
Menschen aus der Region eine wichtige
Rolle bei der Durchsetzung des Bleiberechts
für die gesamte Familie!
Für die UnterstützerInnen der Familie
handelte es sich hierbei immer um eine
exemplarische Auseinandersetzung. Sowohl
was das Verfolgungsschicksal der
gesamten Familie anging, als auch hinsichtlich
des Widerstandes gegen die zuständigen
Behörden, die die herrschende
(Nicht-)Asylpolitik rigoros umzusetzen
bestrebt waren.
Die bürokratisierte und unmenschliche
sog. Asylpolitik bedeutet generell für die
betroffenen Flüchtlinge eine permanente
Unsicherheit. Diese haben große Angst vor
Abschiebung und sind vielfachen Schikanen
ausgesetzt- und das oft über Jahre hinweg:
Kein Wunder, dass viele Flüchtlinge
aufgrund dieser zweiten zermürbenden
Verfolgung in Deutschland körperliche
und psychische Krankheiten bekommen.
So wie der Familie Yildiz geht es zehntausenden
von Menschen, die nach Deutschland
kommen und hier Schutz suchen Viele
haben Ähnliches erlebt und werden gnadenlos
abgeschoben, mit Hilfe eines Asylrechts,
das diesen Namen nicht verdient,
weil es auf Abschottung und pure Verwertbarkeit
orientiert ist. Die Abschiebung war
auch bei der Familie Yildiz geplant -trotz
ihrer schweren Verfolgung. Ohne die jahrelange
anhaltende Solidarität wäre sie
– nach einer ersten Abschiebung im Jahre
1997- sicher erneut in ihr Herkunftsland
Türkei abgeschoben worden.
Die Familie und das Bündnis gegen Abschiebungen
Mannheim (BgA) danken allen
Unterstützerinnen und Unterstützern,
die sich solidarisch für das Bleiberecht der
Familie eingesetzt haben!
Für uns ist selbstverständlich: Jeder
Mensch hat ein Recht auf eine menschenwürdige
Existenz: „Inländer“ wie „Ausländer“.
Flucht und Migration sind legitime
Strategien der Sicherung der
Existenz!
Im global gewordenen Kapitalismus sind
nicht die konkreten Lebensbedürfnisse der
Menschen maßgebend, sondern nur die
„Sachzwänge“ der Kapitalverwertung und
das abstrakte Profitprinzip. Die Folgen
dieses überholten Systems sind bekannt:
Anhäufung des gesellschaftlichen Reichtums
bei wenigen und wachsende Armut,
Existenzunsicherheit, Ausgrenzung und
Zerstörung der Lebensgrundlagen bei
vielen. Diese „Sachzwänge“ gelten für
MigrantInnen und Flüchtlinge in verschärftem
Maße, stehen doch gerade sie
ganz unten in der Hierarchie des Arbeitsmarktes
und müssen oft zu Hungerlöhnen
und miesesten Bedingungen arbeiten, falls
sie überhaupt beschäftigt werden.
Unsere Ziele, für die wir kämpfen, sind:
Bleiberecht für alle! Gleiche Rechte für
alle!
Damit geraten wir mit den herrschenden
Verhältnissen in Konflikt, mit der rassistischen
Kontrolle und Regulierung von
Migration, mit dem System von Ausgrenzung,
Entrechtung und diskriminierenden
Sondergesetzen, mit der inhumanen Praxis
der Lagerunterbringung; Abschiebehaft
und Abschiebungen! Die Politik der Entrechtung,
Entwürdigung und Apartheid
macht die betroffenen Menschen zur bloßen
Manövriermasse und spaltet die Gesellschaft!
Zusammen und solidarisch müssen wir
für die Abschaffung dieser Zustände sorgen,
eine Gesellschaft aufbauen, wo letztlich
die Ursachen für Flucht und erzwungene
Migration nicht mehr existieren!
Offene Grenzen und uneingeschränkte
Bewegungsfreiheit für alle!
Gegen Abschiebungen, Abschiebeknäste,
rassistische Razzien, Lagerunterbringung,
Arbeitsverbot!
Kein Mensch ist illegal!
Mannheim, den 23. April 2007, Bündnis
gegen Abschiebungen (BgA) Mannheim
Kommunal-Info 9/2007 26.4.2007
Familie Gündüz/Gündür aus Mannheim abgeschoben dierotewut, 03.08.2006 01:11
Familie Gündüz/Gündür trotz Duldung ohne Ankündigung aus Mannheim abgeschoben
den ganzen Artikel lesen
Kurdische Familie muss gehen Behörde: Abschiebung rechtens / Amnesty: menschenverachtend
Unterschriften sammeln, Botschaften senden, Politiker überzeugen, mit der Presse reden: Am Ende half alles bitten und betteln nichts: Die Kurdin Saniye Gündüz und ihre drei Kinder wurden in dieser Woche - ungeachtet erneut aufkeimender Gewalt in den Kurdengebieten - in die Türkei abgeschoben. Zuvor waren alle Asylanträge abgelehnt worden, und auch eine Petition beim Landtag brachte keinen Erfolg.
Flüchtlingsorganisationen sowie Amnesty International protestierten gestern scharf gegen den Vorgang und warfen den Behörden einen menschenverachtenden Umgang mit Schutzsuchenden vor. Mit der Abschiebung der alleinerziehenden, psychisch kranken Frau habe sich das Regierungspräsidium in Karlsruhe über sämtliche Erkenntnisse von Fachleuten hinweg gesetzt, so das Bündnis gegen Abschiebung Mannheim. Gemeint ist die Traumatisierung von Saniye Gündüz, die von Amnesty International auf Folter und Misshandlung - was ärztliche Gutachten belegen - zurückgeführt wurde. Aber auch die Kinder, die sieben Jahre in der Quadratestadt lebten und hier zum Beispiel die Humboldt-Schule besuchten, wurden jäh aus ihrer gewohnten Umgebung gerissen und einem ungewissen Schicksal überlassen. Die Linke Liste hatte zuletzt noch versucht, den Gemeinderat für den Fall zu interessieren. Und auch an Oberbürgermeister Gerhard Widder hatten sich die Organisationen Hilfe suchend gewandt.
Widder habe sich auch in einem Telefonat über den Vorgang informieren lassen, bezeichnete gestern ein Sprecher des Regierungspräsidiums das Verfahren als rechtens. Nachdem eine freiwillige Ausreise nicht erfolgt sei, habe man - wie von Rechts wegen vorgeschrieben - die Familie abgeschoben. Im übrigen, so der Sprecher, handle es sich um keinen Härtefall, hätten die Verwaltungsgerichte die Darstellung der Verfolgung als unglaubwürdig zurückgewiesen. Und auch die Krankheit allein sei letztlich kein Grund für ein Bleiberecht gewesen.