KOSOVO
Die ersten Opfer
Viele Roma im Kosovo leben in täglicher Angst. Die
UNO-Verwaltung ist Teil des Problems.
Von Boris Kanzleiter und Dirk Auer
Agim Shaqiri* schlägt vor, dass wir sein zerstörtes Haus
besichtigen sollen. Wir folgen ihm durch ein paar enge Straßen in
ein Ruinenfeld. Shaqiri deutet auf einen Berg aus Schutt: »Hier
haben wir früher gewohnt.« Dann folgte die Flucht nach Deutschland,
drei Kinder kamen dort zur Welt, und vor zwei Jahren wurde die
Familie wieder abgeschoben. Seitdem leben die Shaqiris zur
Untermiete, ein paar hundert Meter von ihrem alten Haus entfernt.
»Wir haben nichts«, seufzt der 41-jährige Vater. »Ich finde keine
Arbeit und die Kinder gehen aus Angst nicht in die Schule. Meine Frau
ist krank.« Die Familie lebt von 50 Euro im Monat. Das Geld schicken
Verwandte aus Deutschland.
Der Ort Vushtrii ist unter Roma und Ashkali – albanisch
sprechenden Roma – im ganzen Kosovo gefürchtet. Gleich zwei Mal
waren die Minderheiten in dieser Kleinstadt zwischen Mitrovica und
Pristina in den vergangenen Jahren das Ziel von Pogromen albanischer
Extremisten. Im Juni 1999, nach dem Einmarsch der Kfor-Truppen,
brannte das Roma- und Ashkali-Viertel zum ersten Mal. Fast alle 4.000
Bewohner mussten fliehen. Am 18. März 2004 folgte der zweite
Überfall. Die Häuser der Rückkehrer wurden erneut von hunderten
Randalierern mit Molotowcocktails angegriffen. Heute leben in
Vushtrii nur noch wenige Roma- und Ashkali-Familien. Während der
UNO-Sicherheitsrat in diesen Wochen über den zukünftigen
völkerrechtlichen Status der Provinz debattiert, geht bei ihnen
erneut die Angst um: »Falls es zu neuer Gewalt kommt, sind wir die
ersten Opfer«, fürchtet Agim Shaqiri.
Die Situation in Vushtrii ist besonders beklemmend, sie ist im
Kosovo aber kein Einzelfall. Das European Roma Rights Center (ERRC)
in Budapest schätzt, dass im Sommer und Herbst 1999 über zwei
Drittel der etwa 120.000 Roma und Ashkali aus der Provinz vertrieben
wurden. Es war die umfassendste »ethnische Säuberung« von Roma
nach dem Zweiten Weltkrieg. Weil sich einige Roma-Politiker vor 1999
loyal zum Regime von Slobodan Milosevic verhalten hatten, nahmen
albanische Extremisten im Anschluss an das Nato-Bombardement alle
Roma als »Kollaborateure der Serben« in Kollektivhaftung. Heute
bezeichnen einige frühere UCK-Führer, wie der ehemalige
Kosovo-Premierminister Bajram Rexhepi, die Ausschreitungen als
»Schande«. Aber trotz aller Bekenntnisse in Pristina zum Aufbau
einer »multikulturellen Gesellschaft« bleiben das Gefühl von
Misstrauen und die alltägliche soziale und räumliche Segregation.
Nicht zuletzt ist dafür auch die internationale Kfor-Truppe und
die Politik der UNO-Übergangsverwaltung verantwortlich. Wie
Augenzeugen berichten, hat die im Juni 1999 in den Kosovo eingerückte
Kosovo-Truppe die Pogrome nicht gestoppt. Die Abwesenheit von Schutz
durch staatliche Sicherheitsorgane ist ein zentrales Problem der
Diskriminierung von Roma in ganz Osteuropa. In der nationalistisch
aufgeladenen Atmosphäre im Kosovo kann das zur Vertreibung von
Tausenden führen.
Zum Gefühl ständiger Unsicherheit trägt auch die
Straflosigkeit für die Kriegsverbrechen bei. Wie die
hochrangige Funktionärin der UNO-Mission im Kosovo (UNMIC) Patricia
Waring einräumt, haben die von der internationalen Gemeinschaft
aufgebauten Justizorgane im Kosovo bisher keinen der Täter vor
Gericht gestellt, die an der systematischen Vertreibungswelle gegen
die Roma beteiligt waren. Damit sei auch nicht mehr zu rechnen. »Es
ist zu viel Zeit vergangen«, sagt Waring. Auch das
Kriegsverbrechertribunal in Den Haag hat in diesem Fall keine einzige
Anklage erhoben.
Das Klima der fortgesetzten Straflosigkeit hat in den vergangenen
Jahren eine tiefe Kluft des Misstrauens geschaffen. Verstärkt wird
diese Distanz durch die Verhandlungen um den zukünftigen
völkerrechtlichen Status des Kosovo. Während sich die albanische
Bevölkerungsmehrheit von der angestrebten Unabhängigkeit eine
schnelle Lösung der drängenden sozialen und politischen Probleme
erhofft, bestehen die Regierung in Belgrad und die Kosovo-Serben auf
die territoriale Integrität Serbiens. Die Roma und Ashkali als
drittgrößte ethnische Gruppe wurden bei den Verhandlungen
vollständig übergangen. UNO-Vermittler Martti Ahtisaari weigert
sich seit 16 Monaten – trotz zahlreicher Initiativen von Roma- und
Ashkali-Organisationen – auch nur eine Delegation ihrer Vertreter
zu empfangen. Der frühere Minderheitenbeauftragte der OSZE im
Kosovo, Stephan Müller, bezeichnet sein Vorgehen als »zynischen
Höhepunkt der Politik der internationalen Staatengemeinschaft« im
Kosovo.
Der ehemalige Präsident der Internationalen Romani Union und
Abgeordnete im serbischen Parlament, Rajko Djurić, gibt die Meinung
vieler Roma und Ashkali aus dem Kosovo wieder. Er sagt, dass die
»volle Durchsetzung der Menschen- und Bürgerrechte Priorität vor
allen territorialen Fragen« haben sollte. Genau das Gegenteil ist
jedoch der Fall. EU-Erweiterungskommissar Olli Rehn warnt vor »Chaos«
auf dem Balkan, falls Kosovo nicht bald für unabhängig erklärt
wird. Vor allem die US-Diplomatie macht Druck für eine schnelle
Lösung und warnt vor einem neuen Aufstand albanischer Nationalisten.
Die serbischen Regierungsorgane warnen dagegen ihrerseits vor eine
Welle der Gewalt, falls Kosovo gegen den Willen von Belgrad
völkerrechtswidrig von Serbien abgespalten würde. Ein
Kompromiss scheint unmöglich. Die Angst von Agim Shaqiri in Vushtrii
hat gute Gründe.
Verstärkt werden die Probleme für die im Kosovo lebenden Roma
und Ashkali durch ein Rückführungsabkommen, das im Frühjahr 2005
zwischen der Bundesrepublik und der UNMIK geschlossen wurde. Die
abgeschobenen Familien stehen buchstäblich mit leeren Händen da.
Die UNO-Verwaltung erklärt, die soziale Integration der Rückkehrer
falle in die Verantwortung der Gemeinden. Doch die spielen den Ball
zurück: Bei einer Arbeitslosigkeit von offiziell über 40 Prozent
und einem monatlichen Durchschnittseinkommen von rund 250 Euro gibt
es im Kosovo kaum Verständnis für die Nöte von abgeschobenen
Flüchtlingen.
Bisher wurden vor allem albanisch sprechende Ashkali abgeschoben,
deren Sicherheitssituation die deutschen Innenminister der Länder
trotz der Übergriffe im März 2004 als zufrieden stellend
bezeichnen. Die eigentliche Abschiebewelle, so ist zu befürchten,
steht allerdings erst noch bevor. Wenn die Unabhängigkeit Kosovos
durchgesetzt ist und die UNMIK durch eine von der EU geleitete
Mission ersetzt wird, fällt auch der bislang geltende Abschiebestopp
für die serbisch sprechenden Roma. Insgesamt 38.000 Roma, Ashkali
und Ägypter aus dem Kosovo leben noch mit einem ungesicherten Status
in Deutschland.
Die Autoren sind freie Journalisten und leben in
Belgrad. Sie betreiben die Website: www.roma-kosovoinfo.com
* Name
geändert
http://www.amnesty.de/umleitung/2007/deu05/081?lang=de%26mimetype%3dtext%2fhtml
PRESENTATION OF SEBASTIAN SERIFOVIC AT THE BERLIN CONFERENCE
ON
THE RETURN OF ROMA FROM GERMANY TO KOSOVO
Introduction
Thank
you very much for giving me this possibility to address you with some
of the very
important issues that RAE communities are facing in
their every day life in Kosovo. As you
all might know, Kosovo has
been going through 4 main phases during the last 10 years.
-
Kosovo under the Serbian regime (the struggle for human rights and
equal
treatment of minorities was present in every day life).
-
NATO campaign against Serbian military (the struggle for human right
of minorities
was also present during this period)
- Kosovo
under the governance of the United Nations Mission in Kosovo
(Where
minorities were fighting to be heard by all sides)
-
Independence of Kosovo (Where Roma minorities get everything and
nothing)
Facts
It is estimated that the big majority of the RAE
community members - at least 100.000 - still
live outside Kosovo.
Most of them are registered as IDPs and a large number still
remain
unregistered. According to the representative of the
Secretary General on Human Rights of
IDPs, 30% to 35%
(10.000-20.000) of IDPs in Serbia are not registered.
According to
the UNHCR, 2113 Roma and 4428 Ashkalia and Egyptians returned to
Kosovo
since January 2000. During this period, March 15th 2004 led
to another major
displacement of Roma people from Kosovo. This is
considered as the largest incident since
the 1999 Kosovo war.
It
is estimated that 60.000 Roma people from Serbia and Montenegro and
35.000 failed
asylum seekers from Germany will be forced to return
to Kosovo. Further on we will examine
how this return of IDPs
could be impacted by Kosovo’s lack of conditions to assist
them.
Today’s unemployment rate in Kosovo is 45% of the overall
population. The main income
of the RAE communities depends on
their families currently living outside of Kosovo,
mainly in
Germany and Switzerland. Due to the current economical and political
situation,
Kosovo’s institutions and the UN failed to provide a
sustainable return of the remaining
100.000 RAE people.
The
problems that Roma people are facing in every day life are the
following:
Housing: because of the fear and past discrimination of
Roma people, shortly after the 1999
war in Kosovo, more than
150.000 Roma left Kosovo. Their houses were burned and
destroyed,
which made the possibility of return even worse. The lack of
documentation
(since most documents were destroyed during the war)
made them even loose their lands.
Following March 2004 riots, a
big number of minorities lost their houses and ended up
living
with their relatives.
Employment: as we previously mentioned the
unemployment rate in Kosovo is very high,
especially when it comes
to RAE communities. The only jobs that are available for
RAE
communities in Kosovo are cheap labor, and many families are
not able to fulfill their
household’s normal daily needs (food,
soap, ...). Employment of Roma people in
International
Institutions is rare, and when it comes to the employment at the
national level,
the requirements to get the job are too high,
knowing that RAE communities are usually not
educated enough to
apply to the positions.
Education: in order to be able to be
educated in Kosovo a lot of different factors play a
role;
1.
Most of the Roma people have to learn Serbian or Albanian in order to
attend the
school. Because of this language issue many Roma
children end up leaving school.
2. Parents cannot support the
education of their children.
4. Uneducated parents don’t realize
the importance to push their children to go to school.
Political
Participation: the biggest mistake made by the international
community is the
treatment of Roma as uneducated left behind 21st
century peasants. On the other hand, this
should not be the case
as Roma should be considered as an integral part of the
unification
and development of Kosovo. As Kosovo got independent
and the European Union takes this
area under its scope, Roma do
not have much confidence that anything will be better than
during
the last 8 years.
Conclusion:
Regarding the situation we
described above, Kosovo is not ready to host in a proper manner
one
returnee. Returning more than 100.000 people will cripple Kosovo’s
economy and will
lead to the creation of new IDP camps.
There
is no information and no guaranty that the returnees will be safe
after their return,
and that they will have the elementary
conditions to integrate within the society and enjoy
their human
rights and fundamental freedoms.
There is a lack of mechanisms and
governmental assistance for returnees to re-integrate
within the
society. Thus, they become a burden to local RAE residents, and
subsequently to
Kosovo’s social assistance budget. This
negatively impacts the overall socio-economic
situation in
Kosovo.
Note:
This Research was conducted on February and March
2008, in five Kosovo regions (Prizren,
Mitrovica, Ferizaj,
Peja/Pec, Pristina), 200 families/cases interviewed.
ROMA AND
ASHKALIA DOCUMENTATION CENTRE
The Roma and Ashkali Documentation
Center works as the focal point for information for,
by and about
the R&A communities in Kosovo. As a facilitator of meetings,
website, and
information exchange, the Center supports the Roma
and Ashkalia civil society in its work
with government, partners
and donors, in accessing opportunities, and in developing
new
initiatives.
The Center has projects supporting civil
registration of undocumented citizens,
documentation of human
rights violations, and introducing the culture of the Roma
and
Ashkalia communities to all the people of Kosovo.
Sebastijan Serifovic (RADC): Aktuelle Menschenrechtslage (engl.)
http://www.roma-kosovoinfo.com/index.php?option=com_content&task=blogsection&id=8&Itemid=39
Romano Them: Flüchtlingspolitik und Abschiebepläne der
„internationalen Gemeinschaft” nach
der Unabhängigkeit, 3. Mai 2008, Bildungswerk Berlin der Heinrich
Böll Stiftung
Im Oktober vergangenen Jahres verabschiedete die
Regierung Kosovos zwei Dokumente, die die
Grundlage für die
massive Abschiebung abgelehnter Asylbewerber und anderer Personen
aus
dem Kosovo ohne gültige Aufenthaltspapiere legen:
Die
„Readmission Policy“, zu Deutsch, Politik der Wiederaufnahme,
beschreibt die
administrativen Prozeduren von dem Einreichen eines
Wiederaufnahmegesuchs durch die
Behörden des Aufnahmelands bis
zur Überstellung der abgeschobenen Personen an die
Behörden
Kosovos.
Die „Reintegration Strategy“ definiert alle weiteren,
praktischen Etappen von der Aufnahme am
Flughafen in Pristina über
die Hilfe bei der Beschaffung von Personendokumenten, bei der
Suche
einer Arbeit und der Einschulung von Kindern.
Konkrete Zahlen gibt
es keine. Lediglich im Dokument zur Reintegration
abgeschobener
Personen erfährt man, dass die Zahl sogenannter
Illegaler vermutlich bei 100 000 liegt; in einer
Fußnote heisst
es weiter, dass allein in Deutschland 53 000 Personen aus dem Kosovo
ohne
legalen Aufenthaltsstatus leben, von denen 38 000 Roma,
Ashkali oder Kosovoägypter sein
sollen.
Das vorgesehene Budget
ist auf 5 000 Personen pro Jahr angelegt.
Beide Dokumente, die auf
unserer Webseite abrufbar sind, beschreiben im Wesentlichen
die
administrativen und praktischen Schritte, welche durchlaufen
werden müssen, bevor eine Person
für die Behörden als
„reintegriert“ gelten kann. Als Begründung für die
Rechtmä?igkeit des
Vorgehens werden internationale
Menschenrechtskonventionen angeführt.
Interessant ist in jedem
Fall, dass beide Dokumente den Akzent auf „vulnerable groups“,
das
heisst, auf als empfindlich oder gefährdet geltende Gruppen
legen: alleinstehende Frauen und
Kinder, alte und kranke Menschen
sowie Minderheiten, insbesondere Roma, Menschen also,
welche
bisher aufgrund der Stellungnahmen des UN-Flüchtlingswerks einen
gewissen Schutz vor
Abschiebungen hatten.
Und tatsächlich
fällt noch ein weiteres Detail auf: Der Stellenwert dieser
Stellungnahme erscheint
zunehemend fraglich!
Das Jahr 2007
markiert einen weiteren Einschritt in Sachen Rückführungspolitik,
die schrittweise
Übertragung der Kompetenzen des UNMIK-Büros für
Minderheiten und Rückkehr auf die
kosovarischen Behörden, das
Innenministerium und das Ministerium für die
Flüchtlingsrückkehr.
Dies bedeutet, dass Wiederaufnahmegesuche
zukünftig direkt an die kosovarischen Behörden
und an das
Innenministerium gerichtet werden, das dann eine Entscheidung
trifft.
Entscheidungsgrundlage ist einzig die Herkunft einer
Person aus dem Kosovo. Mit Hinweis auf
europäische
Datenschutzbestimmungen wird die ethnischer Herkunft der zur
Abschiebung
vorgesehenen Personen in Zukunft nicht mehr von den
Aufnahmeländern mitgeteilt.
Das deutsche Bundesinnenministerium
reagierte sofort und schickte am 17. Dezember ein
Rundschreiben an
die Innenminister der Länder. In diesem Schreiben werden die
wichtigsten
Änderungen wie folgt zusammengefasst:
Romano Them:
Flüchtlingspolitik und Abschiebepläne der „internationalen
Gemeinschaft” nach
der Unabhängigkeit, 3. Mai 2008,
Bildungswerk Berlin der Heinrich Böll Stiftung
1. dass alle
bisherigen Abmachungen zwischen der Bundesregierung und der
UNMIK,
beziehungsweise der Übergangsregierung Kosovos, und somit
auch die darin festgelegten
Obergrenzen für Abschiebungen
hinfällig werden.
2. dass, wie bereits weiter oben angeführt, in
Zukunft allein die Herkunft einer Person
darüber entscheidet, ob
sie nach Kosovo abgeschoben werden kann oder nicht, und
das
sogenannte „screening“ von Angehörigen von Minderheiten
entfällt.
Allerdings weist das Bundesinnenministerium in diesem
Zusammenhang noch einmal
ausdrücklich darauf hin, dass sich die
UN-Zivilverwaltung weiterhin an die Stellungnahmen
des
UN-Flüchtlingswerks hält, so dass es damit „zunächst bei einem
grundsätzlichen
Rückführungsverbot für Roma (mit Ausnahme
besonders schwerer Straftäter) verbleibt.“
Als weitere
Erleichterung bezeichnet das Bundesinnenministerium die Tatsache,
dass die
„operative Verantwortung“ für die Rückführungen
zukünftig beim kosovarischen
Innenministerium liegt. Im Schreiben
heisst es:
„Da das Department for Border, Asylum and Migration
künftig auf die Herkunft aus dem
Kosovo abstellt, dürfte es nach
Ansicht des deutschen Verbindungsbüros Pristina nicht mehr
zu
Einreiseverweigerungen durch die Grenzpolizei kommen, mit der
Begründung, die Person
stamme nicht aus dem Kosovo.“
Als die
Dokumente vorbereitet wurden, orientierte man sich an dem sogenannten
Ahtisaariplan,
der die Etappen bis zu einer endgültigen,
kontrollierten Unabhängigkeit Kosovos beschreibt.
Dieser Plan
sieht eine 120 Tagesfrist ab dem Zeitpunkt der Ausrufung der
Unabhängigkeit, bis
zum Inkrafttreten der neuen Verfassung vor.
Folglich sehen beide Dokumente eine
Übergangsfrist vor, im Laufe
derer die UNMIK einige Kompetenzen im Bereich der
Rückführung
oder Wiederaufnahme abgeschobener Personen zurückbehält. Wie wir
wissen kam
es zu einer einseitigen Unabhängigkeitserklärung, die
bis heute nicht von allen Staaten anerkannt
worden ist.
In
Bezug auf Abschiebungen bleibt die UNMIK bislang der erste
Ansprechpartner für die
Regierungen der Aufnahmeländer.
Allerdings überprüft das Innenministerium Kosovos seit dem
ersten
Januar, ob die von einem Wiederaufnahmeersuchen betroffenen Personen
tatsächlich aus
dem Kosovo kommen.
Mit dem endgültigen
Rückzug der UNMIK werden die kosovarischen Behörden
die
Rücknahmeersuche allein bearbeiten. Es wird dann allein in
der Verantwortung der
Aufnahmeländer liegen, ob sie sich
weiterhin an den Stellungnahmen des UN-Flüchtlingswerkes
orientieren
oder nicht, sofern diese nicht abgeändert werden, was zu befürchten
steht.
Es dürfte klar sein, dass die Verabschiedung dieser
Dokumente durch die kosovarische Regierung
keinesfalls nur ein Akt
vorauseilenden Gerhorsams darstellt. Tatsächlich waren
sämtliche
relevanten internationalen Akteure an der Ausarbeitung
dieser Dokumente beteiligt und
vermutlich federführend.
Vorgesehen ist, dass sich die kosovarischen Behörden nun um
den
Abschluss bilateraler Wiederaufnahmeabkommen bemühen, womit
sie bei den Aufnahmeländern
offene Türen einrennen werden.
Wir
haben zum heutigen Zeitpunkt, au?er aus Deutschland und aus der
Schweiz, keine
konkreten Informationen über etwaige Änderungen
in der Abschiebepolitik gegenüber von
Personen aus dem Kosovo.
Allerdings ist davon auszugehen, dass alle Staaten, die in
der
Vergangenheit versucht haben, Roma nach Kosovo
zurückzuschicken, ihre Bemühungen in
Zukunft wiederaufnehmen,
bzw. verstärken werden.
Romano Them: Flüchtlingspolitik und
Abschiebepläne der „internationalen Gemeinschaft” nach
der
Unabhängigkeit, 3. Mai 2008, Bildungswerk Berlin der Heinrich Böll
Stiftung
Dies gilt auch für die Nachbarländer Kosovos,
Montenegro, Mazedonien und Bosnien. In
Serbien selbst sind die
meisten Roma aus dem Kosovo nicht integriert und leben
unter
miserablen Bedingungen. In all diesen Ländern sind sie ein
Spielball politischer Interessen.
Für uns ist heute
besorgniserregend, dass sich kaum mehr Widerstand gegen eine
erzwungene
Rückkehr der Roma ins Kosovo regt. Dies gilt
insbesondere für internationale Organisationen
wie der Europarat,
die in der Vergangenheit wesentlich dazu beigetragen haben,
den
Abschiebeeifer westlicher Aufnahmeländer zu
dämpfen.
Gesprochen wird heute von einer freiwilligen Rückkehr
der Flüchtlinge, als ob die einseitige
Ausrufung der
Unabhängigkeit Kosovos und die Verabschiedung einer neuen
Verfassung, die
den kleinen Minderheiten keinerlei Garantien
gewährt, die Lage im Kosovo plötzlich verbessert
hätten.
Zögerliche
Rufe nach einer lokalen Integration der Flüchtlinge in der Region
müssen wirkungslos
bleiben, solange westliche Länder, die
wesentlich bessere Voraussetzungen für eine dauerhafte
Aufnahme
und Integration von Flüchtlingen haben, weiter auf Abschiebung
setzen.
Es ist allerdings besonders dramatisch, dass diese
gesamten Entscheidungsprozesse über die
Köpfe der Flüchtlinge
hinweggetroffen werden.
Mit unserer Webseite Romano Them versuchen
wir, ein Mindestmaß an Öffentlichkeit zu schaffen.
Als
Ehrenamtliche und ohne jegliche finanzielle Unterstützung machen wir
politische
Lobbyarbeit und bemühen uns um eine Vernetzung und
einen Austausch unter den Flüchtlingen
und um den Kontakt mit
denjenigen, die in Kosovo geblieben sind.
Zum heutigen,
fortgeschrittenen Zeitpunkt sind solche Schritte allerdings ohne die
Unterstützung
durch große Organisationen und die Öffentlichkeit
machtlos
Karin Waringo (Romano Them): Flüchtlingspolitik und
Abschiebepläne der „internationalen Gemeinschaft” nach der
Unabhängigkeit
http://www.roma-kosovoinfo.com/index.php?option=com_content&task=blogsection&id=8&Itemid=39
Video - Ceuta und Melillasoziale und Menschenrechtslage zum Teil wiedergegeben im
Bericht über die Delegations-reise des Petitionsausschusses des Landtags Nordrhein-Westfalen vom 07.06. bis 11.06.2006 in den Kosovo
Düsseldorf, 24.10.2006
UNHCR-Position zur fortdauernden Schutzbedürftigkeit von
Personen aus dem Kosovo*
(Juni 2006)
Herkunftsländer